Die vorwissenschaftliche Arbeit – ein Perspektivenwechsel

Die vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) stellt die erste Säule der Reifeprüfung in Österreich dar. Im Gegensatz zur Fachbereichsarbeit, als deren Nachfolger die VWA angesehen werden kann, ist eben diese für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend zu schreiben. Damit gehen auch mehr oder weniger große Herausforderungen für das Lehrpersonal einher, was oftmals außer Acht gelassen wird. [mehr]

Die VWA prägt die letzten beiden Schuljahre, sprich die siebte und achte Klasse, eines Gymnasiasten. Während man in der siebten Klasse ein Thema finden und einreichen muss, dient das erste Semester der achten Klasse dazu, die vorwissenschaftliche Arbeit zu verfassen. Eingereicht wird schlussendlich am Beginn des Sommersemesters.

Dass mit der VWA nicht nur für die Schülerinnen und Schüler eine große Herausforderung einhergeht, sondern auch für die Lehrpersonen, dürfte klar sein, wird jedoch oftmals außer Acht gelassen. Die Betreuung von drei bis fünf Schreibenden stellt nämlich einerseits aufgrund der Betreuung in Form von schriftlichem und mündlichem Feedback eine mehr oder weniger große Belastung dar, andererseits auch wegen der freien Themenwahl von Seiten der Schreibenden, was vor allem bei der Korrektur in Bezug auf die inhaltliche Auseinandersetzung zum Vorschein kommt. Nicht zu vergessen sind auch die zu begutachtende einheitliche Zitierweise sowie die fehlerfreie Zitation und die Prüfung sämtlicher Quellen.

Sind schlussendlich diese Meilensteine erreicht, so steht einem gelungenen Abschluss in Form der Präsentation nichts mehr im Weg. Im Zuge dieses Kolloquiums, dem ebenfalls persönliche Treffen mit dem Vortragenden seitens des Betreuers vorausgehen, werden zwar die wesentlichen Aspekte der VWA vom Verfasser vorgestellt, ist man jedoch einmal an diesem Punkt angekommen, wird auch dieser Aspekt zu meistern sein.

Am Ende darf sowohl der Betreuer als auch der Verfasser auf einen intensiven und teils auch nervenaufreibenden Zeitraum zurückblicken. Während sich der Schreibende jedoch auf der Zielgeraden seiner Schullaufbahn befindet, hat für die Lehrperson bereits der nächste Anlauf begonnen. Es gilt, die nächste Generation der Schreibenden zu betreuen, ein Thema sollte gefunden und Hinweise auf passende Literatur gegeben werden. Aber auch in diesem Zusammenhang darf man festhalten: Der Weg ist das Ziel.

Autor: Dr. Thomas Lintner (MJ 2010)